Herkunft von Sprichwörtern und Redewendungen

Sprichwörter und Redewendungen sind fester Bestandteil unserer Sprache und unseres täglichen Sprachgebrauchs.

An einem Tag ist alles in Butter, wenn wir morgens arbeiten wie ein Brunnenputzer und am Abend Gottes Wasser über Gottes Land laufen lassen können. Wenn uns dann niemand an den Kragen will, dann sind wir aus dem Schneider und können nachts den Schlaf der Gerechten schlafen.

Bedeutung von Redewendungen

Redewendungen und Sprichwörter – Kennen Sie die Herkunft?

Sprichwörter und Redewendungen wie diese kennt jeder. Nicht selten stellen wir uns die Frage: Woher stammt das Sprichwort? Wir erklären Ihnen hier, was es mit der Bedeutung verschiedener Sprichwörter und Redewendungen auf sich sich hat.

Unterschied Sprichwort und Redewendung

Der Unterschied zwischen einem Sprichwort und einer Redewendung ist übrigens der, dass ein Sprichwort meist eine Weisheit mit einem tieferen Sinn ist. Ein Sprichwort ist meist eine längere Phrase, die für sich stehen kann und eine kluge Lebensweisheit beinhaltet. Wer Ihnen also rät: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, tut dies in Form eines Sprichwortes. Auch die Feststellungen „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, „Der Klügere gibt nach“ oder „Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben“ sind beispielsweise Sprichwörter.

Eine Redewendung hingegen ist, wie die Bezeichnung bereits sagt, eine Wendung innerhalb der Rede bzw. der Sprache. Redewendungen sind oft kurze Wendungen, die keine ganzen Sätze bilden, und werden häufig in andere Äußerungen eingewoben. Redewendungen sind oft sehr bildhaft formuliert, sodass man ihre Bedeutung eigentlich nur versteht, wenn man die Redewendung kennt.

Sprichwörter, Redewendungen und ihre Bedeutung

jemandem einen Korb geben

Die Redewendung jemandem einen Korb geben stammt vermutlich aus dem Mittelalter. Zu dieser Zeit waren Körbe wichtige Transportmittel und fanden sich auch in vielen Bräuchen und Traditionen (z.B. als Nest zu Ostern oder als Geschenkekorb zur Hochzeit). So war es zu dieser Zeit auch üblich, dass unverheiratete Frauen ihre Verehrer über einen Korb in ihre Gemächer im oberen Stock zogen. Missfiel ein Bewerber der Dame, schickte sie ihm einen Korb mit einem lockeren Boden nach unten, in den er sich stellte. Brach der Boden mitsamt Verehrer heraus, wusste diese somit, dass er keine Chancen bei der Angebeteten hatte. Die Herkunft der Redewendung ist nicht eindeutig geklärt, dieser Deutungsansatz ist aber einer der wahrscheinlichsten.

Wolf im Schafspelz

Ein Wolf im Schafspelz ist sprichwörtlich der, der gute Miene zum bösen Spiel macht. Die Redewendung bezeichnet also jemanden, der potentiell gefährlich ist und Böses im Schilde führt und sich gleichzeitig freundlich, kooperativ und harmlos zeigt. Ursprung dieser Wendung ist eine Bibelstelle. In Mt 7,15 heißt es: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

 die Katze im Sack kaufen

Wer die Katze im Sack kauft, kauft ungesehen einen Gegenstand oder glaubt ohne Überprüfung einem Sachverhalt. Wer im Mittelalter die Katze im Sack kaufte, hatte ein Problem. Denn eigentlich hätte er statt der Katze lieber einen Hasen oder ein Ferkel erworben. Da die Tiere zum Transport allerdings in Säcken eingesperrt waren, passierte es, dass ahnungslosen Kunden plötzlich zu Hause statt des Ferkels oder des Hasen die Katze aus dem Sack ließen, nachdem sie die Katze im Sack gekauft hatten.

Der Rubikon ist überschritten.

Diese Redewendung, die spätestens seit einer berühmten Mailbox-Nachricht an Bekanntheit gewonnen hat, geht auf das Konto von niemand Geringerem als Caesar. Durch das Überschreiten des italienischen Flusses Rubikon mit seinem Heer zettelte Caesar einen Bürgerkrieg an. Die Redewendung steht somit also für Handlungen, die eine gewisse Grenze überschreiten und somit ernste Konsequenzen nach sich ziehen.

Alle Wege führen nach Rom.

Dieses Sprichwort bewegt sich ebenfalls innerhalb Italiens und bezieht sich auf das gut ausgebaute Straßennetz im römischen Reich und die Tatsache, dass Rom das Zentrum dieses Reiches war. Nichtsdestotrotz wird gemutmaßt, dass das Sprichwort ursprünglich nicht Rom, sondern Athen als Ziel der Wege angab. Er im Laufe der Jahrhunderte wurde Athen durch Rom ersetzt. In einer Fabel von Jean de La Fontaine findet sich das Sprichwort im obigen Wortlaut und wurde mutmaßlich von Voltaire übernommen, der es wiederum populärer machte. Die Bedeutung des Sprichworts ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu lösen.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Die Bedeutung dieses Sprichworts erschließt sich eigentlich durch seinen bildhaften Charakter. Personen, die andere Personen für etwas kritisieren, das auf sie selbst ebenfalls zutrifft, sitzen im Glashaus und werfen mit Steinen. So treffen sie nicht nur den anderen, sondern zerstören auch ihr eigenes Haus bzw. Image. Wer es übrigens etwas komplizierter sagen möchte, für den gibt es diese Variante: Populanten von Domizilen mit fragiler, transparenter Außenstruktur sollten sich von der Transformation von gegen Deformierung resistenter Materie distanzieren!

Nägel mit Köpfen machen

Wer Nägel mit Köpfen macht, leistet ganze Arbeit. Nägel ohne Köpfe wurden früher von Schmieden versehentlich hergestellt, die ihr Handwerk nicht 100%ig beherrschten oder schlampig arbeiteten. Wer also Nägel ohne Köpfe macht, ist nur halbherzig bei der Sache. Da Nägel ohne Köpfe eher unbrauchbar sind, sind es die Nägel mit den Köpfen, die von Nutzen sind. Die Bedeutung von Nägel mit Köpfen machen ist also, dass jemand auf Anhieb eine Arbeit erfolgreich durchführt.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Wer sein Getreide mahlen lassen wollte, musste dies bei einer Mühle vom Müller erledigen lassen. Logisch klingt auch, wer zuerst da war, konnte zuerst mahlen lassen. In der Mühlenordnung war festgelegt, wie ein Müller mit seinen Kunden umzugehen hatte. Die ursprüngliche Formulierung „Wer zuerst komme, der mahle zuerst“ stammt aus dem Sachsenspiegel, einem Rechtsbuch des Mittelalters.

Schäferstündchen halten

Die Redewendung ein Schäferstündchen halten stammt aus der Schäferdichtung, einer in Renaissance und Barock beliebten Literaturgattung, in der das Leben der Schäfer idealisiert und romantisiert wurde. So trafen sich Adlige in entsprechenden Kostümen verkleidet zum Schäferstündchen, um das ungezwungene Landleben nachzuspielen.

arm wie eine Kirchenmaus sein

Kirchenmäuse waren deshalb arm, weil es in Kirchen keine Vorratskammern gab. Kirchenmäuse konnten sich daher nicht an der gefüllten Speisekammer bedienen, sondern mussten schauen, woher sie ihre tägliche Nahrung bekamen. Das Sprichwort ist auf diese Tatsache zurückzuführen.

Sprichwörter und Redewendungen aus der Literatur

Faszinierend, oder? Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie komplex und manchmal unergründlich unsere Sprichwörter und Redewendungen sind.

Übrigens: Viele Sprichwörter und Wendungen haben ihren Ursprung in der Bibel oder anderen literarischen Werken.

Besonders im deutschen Sprachgebrauch gibt es viele Sprichwörter, die, ohne dass wir es heute noch wissen, auf Friedrich Schiller zurückgehen. Hätten Sie’s gewusst?

Diese wären etwa Sprichwörter wie:

Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

Früh übt sich, was ein Meister werden will.

Raum ist in der kleinsten Hütte.

Was ist der langen Rede kurzer Sinn.

Der kluge Mann baut vor.

Wie kommt mir solch Glanz in meine Hütte?

Durch diese hohle Gasse muss er kommen.

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